April 30, 2008
Ein Genie-Streich im Marketing
Nach einem 3tägigen Brainstorming-Bootcamp kam das Marketing mit einer Pressemeldung heraus, die medienweit für eine unglaubliche Resonanz sorgte. Nicht zuletzt wegen der genialen Lancierung der Erklärung. Von BILD bis Gallileo, vom Morgenmagazin bis SAM, von heute bis La Notte, von ZIB bis bizz, von Drehscheibe Deutschland bis hin zum Wort zum Sonntag wurde über die selbstbewusst formulierte Forderung diskutiert. Ein sagenhaftes Echo!
Um was ging es in den so beherzt angeschlagenen Thesen?
In dem Bootcamp wurden die unglaublich guten Zahlen des Valentinstags analysiert und gebrainstormt bis das Hirn matschte, wie man diese großartigen Zahlen häufiger erreichen kann. Manchmal ist die Lösung einfach zu einfach: Wir brauchen ganz einfach MEHR Valentinstage. Logisch.
Und genau darin besteht die Forderung: Mehr Valentinstage! Mindestens einen pro Quartal. In dem veröffentlichten Traktat wird auch vorgeschlagen depressive Feiertage, wie Fronleichnam, Aschermittwoch, Karfreitag oder den Tag der deutschen Einheit in einen weiteren heiteren Tag der Liebe, einen weiteren Valentinstag umzubauen. In einem Nebensatz wird auch die Möglichkeit erwähnt, den Sonntag in einen wöchentlichen Valentinstag umzubenennen, wobei nicht nur dieser Vorschlag grade im Wort zum Sonntag relativ scharf kritisiert wurde.
Februar 20, 2008
V-Day
Puh … es geht wieder. Aber die Erholungszeit hat dieses Jahr länger gedauert. Liegt das an meinem fortschreitenden Alter oder daran, dass die Belastung selbst an diesem Tag immer seltsamer wird? Dieser Tag … Doomsday, ein 24 Stunden-Tag voller bizarrer Ereignisse, der 14. Februar … Valentinstag. In kurzen Abrissen gibt es nachfolgend einige Momentaufnahmen.
CFU –
Eine Sirene schrillt. Eine gelbe Deckensignalleuchte blinkt. Eine laute Stimme kommt durch die Lautsprecher und unterbricht die Sirene.
“Alle Mann auf die Plätze – es geht dieses Jahr früher los. Unser System wird infiltriert von einer feindlichen Einheit falscher Russinnen. Die Parameter zur Erkennung habt ihr auf euren Screens. Außerdem erwarten wir einen Angriff der South-African-Fake-Division und ab dem frühen Vormittag dürften sich noch einige Einzeltäter des SMS-Phishing-Squads dazu gesellen. Wir gehen vor nach Einsatzplan Valentine-Delta vor. Aktuell bleiben wir bei Warnstatus gelb.”
Jakob Bauherr, der CFU-Einsatzleiter lässt den Knopf der Sprechanlage los und fährt sich mit der Hand über sein müdes Gesicht. Eine Rasur täte gut. Er nahm einen Schluck Kaffee aus der grünen Tasse mit dem Aufdruck “Elf-keine Zahl sondern Rasse” und verzog das Gesicht. Kalt. Da wird die Tür aufgerissen. Claudette steht in der Tür, Panik in den Augen und sagt: “Das musst du dir ansehen!”
SysAdmins –
Es ist furchtbar hektisch im Serverraum2. Der Bildschirm mit der Systemperformanz-Anzeige zeigt eine sich dramatisch nach unten orientierende Kurve.
Bolle sagt: “Wir haben noch Platz für 2000 User … wenn sich bei der aktuellen Situation nur noch 2000 neue Leute einloggen, dann raucht der Laden ab!”
Torben, trägt sein T-Shirt mit dem Koala-Bären, antwortet: “ABER WARUM? Wir haben 5 ultraperformante Superserver nachgerüstet. Wir müssten noch genug Power haben für noch locker 20 000 Parallelnutzer! LOCKER!”
Bolle: “Nein! Haben wir aber nicht!”
Sören betritt mit einem triumphierenden Lächeln den Serverraum2. Er ist eingerust und hat Bluspritzer im Gesicht – er verkündet: “Problem behoben! Im Serverraum1 hatte sich eine Opossumfamilie eingerichtet und in zwei Servertürmen die Kabel zerbissen.”
Torben, seine Tierschützeraugen spiegeln den Schrecken einer grausamen Vermutung: “Was hast du gemacht?”
Sören lächelt grausam: “Opossozid!”
Kundenservice –
Ein Kunde erliegt besonders dem Zauber des Tages und hat sich 41 Profile angelegt mit den Pseudonymen Your_Valentino7 bis Your_Valentino48 und verschickt im großen Stil folgendes “Gedicht”:
Ich wil dir Blumen flücken
für dich bügg ich nmeeinen Rücken
ich scheenke dir den Straus udn auch noch Pralinen
und hoff dein Herz so dann zu klriegen
Für dich mach ich alles und geh auch nach CChina
Kom,m zu mir sei meine Valentina!
Dazu stellt er alle 10 Minuten neue Bilder ein … auf den meisten hat er eine rote Rose im Mund.
Telefonsupport –
Ein erboster Kunde will den Geschäftsführer sprechen, weil er es UN-MÖHH-GLICH findet, dass ausgerechnet bei uns überall auf dieses kulturimperialistische und amerikanische Plastikfest verwiesen wird. UN-MÖHH-GLICH findet er, dass hier in diesem Portal nur der Kommerz, der Mammon, der miese Zaster zu zählen scheint und dabei auch nicht davor zurück geschreckt wird dieses reine Konsumgeierfest Valentinstag, das nur erfunden wurde um unnötigen Kitsch verhökerbar zu machen, beworben wird. Wenn die Werbung dafür nicht sofort eingestellt wird, dann wird er uns vernichten, weil er jemand bei einer Zeitung kennt.
Kantine –
Der Nachtisch besteht heute aus herzförmigem roten Wackelpeter.
Marketing –
Die Tür vom Büro ist geschlossen. Es findet ein Brainstorming statt.
DatingLabs –
Die Projektgruppe SecretV arbeitet an einem Valentinstagsdevice, dem ValEn(g)in01. Die Idee: Ein Herzförmiges USB-Gerät das folgendes kann:
- 3D-Ausdrucke (zum Beispiel nen Blumenstrauß)
- holographische Projektion
- Erinnerungsfunktion (wer alles mit einem Valentinsgeschenk beglückt werden soll)
- Ausredenfunktion
- kann Liebesbotschaften und Fotos mit lebensmittelechter Tinte auf Esspapier drucken
Der Prototyp soll in Kürze fertig sein.
Die CFU ruft Status Rot aus, da es ein Sondereinsatzkommando von bulgarischen Blumenverkäufern geschafft hat, sich erfolgreich als kenianische Goldhändler ins System zu schmuggeln und nun versucht betuchten Singles über 60 Schürfrechte an einer inexistenten Goldbonanza in Ghana unterzujubeln. Der Typ, der Terror wegen der Valentinswerbung auf der Seite machte hat eine Demo vor dem Firmensitz organisiert. Insgesamt stehen dort 4 halb erfrorene Gestalten die mit eiskalten Fingern Transparente mit den Slogans “NEIN!” und “GEMEINSAM STARK GEGEN VALENTINSTAG!” hoch halten. Die Geschäftsführung lässt den Protestierern heißen Tee bringen, welchen diese dankbar annehmen. Plötzlich fallen die Server aus. Down. Das ganze System. Es stellt sich heraus, dass sich zwei Überlebende der Opossumfamilie fürchterlich gerächt haben. Im Marketingzimmer endet das Brainstorming.